Freitag, 7. Oktober 2011

20 - Die erste Müllabfuhr in Preksromot

Dienstag, der 4.10.2011
(von Horst-G. Lippold)

die Preksromoter Müllabfuhr

Etwas ernüchtert von den Erlebnissen am Vortag sind wir am Dienstagmorgen wie üblich früh aufgebrochen. Da Alex Springer schon nach Bangkok fahren wollte, waren wir für die restlichen Tage zu zweit.

Noch an der Ausfallstraße in Richtung Pnom Penh haben wir zuerst Herrn Pho Phallkunn, der die Niederlassung von Gaea in Siem Reap leitet, besucht. Gaea betreibt unter dem Namen Centri in den größeren Städten Kambodschas die Müllabfuhr und die zugehörigen Müllkippen. Herr Phallkunn hat uns erklärt, dass es mangels staatlicher Unterstützung keine Verpflichtung der Haushalte gibt, den Hausmüll geregelt zu entsorgen und deshalb nur ca. 8% der Haushalte vorwiegend im Stadtzentrum und in den besseren Vierteln von Siem Reap für eine Gebühr von monatlich 1,50 USD an die Müllabfuhr angeschlossen sind. Alle anderen Bewohner verklappen den Müll weiterhin direkt neben den Häusern. Wirtschaftlich tragfähig sei das System letztlich nur dank der Quersubventionierung durch die vielen angeschlossenen Hotels.

Wir haben intensiv die Frage diskutiert, ob bzw. wie und zu welchen Kosten der nicht recycelbare Restmüll aus Preksromot auf die Mülldeponie von Siem Reap gebracht werden kann. Herr Phallkunn, der auf Auslandsreisen Müllentsorgungssysteme in diversen Ländern kennengelernt hat, wird ein entsprechendes Angebot erstellen und deutete zwei Optionen an:

a) wir liefern den Hausmüll für ca. 3 USD pro cbm zur Deponie oder
b) Centrie stellt geeignete Container vor Ort zur Verfügung und holt diese zu noch unbekannten Kosten regelmäßig ab.

Die erste Variante erschien uns eher für die Anfangsphase geeignet und die zweite Variante - falls zu vertretbaren Kosten machbar – eher als Dauerlösung sinnvoll, weil der Restmüll dann direkt in den Container sortiert werden kann. Kritisch sind in jedem Falle die nicht unerheblichen Kosten der Entsorgung bzw. deren laufende Finanzierung.

Nach diesem hochinteressanten Gespräch sind wir zu einem Händler für Gebrauchtmotorräder weitergefahren und haben endlich das Moped gekauft, das wir zum Ziehen des Müllanhängers benötigen. Nach einem ausgiebigen Service-Check ist Herr Chantol dann auch direkt in Richtung Preksromot losgebraust.

In Dom Dek haben wir noch den fertig umgebauten Müllanhänger abgeholt und weiter ging es nach Preksromot.

In Preksromot angekommen haben wir uns aufgeteilt und Röttger Maier hat sich sofort der Fertigstellung der Rohrleitungen gewidmet.

Herr Chantol, der am Samstag vorgestellte Müllmann und ich haben dagegen die erste Müllabfuhr im Dorf gestartet. Wir sind dabei das Dorf komplett durchgegangen und haben sämtliche der schon im Februar und am vergangenen Samstag aufgestellten Mülltonnen inspiziert bzw. geleert.

In deutsch-kambodschanischer Co-Produktion haben der Müllmann und ich nach und nach sämtliche halbvollen oder gar vollen Tonnen in unseren Müllkarren geleert. Herr Chantol ist entweder gefahren oder hat diejenigen Einwohner, deren Mülltonnen noch leer waren, aufgefordert, mitzumachen und bitte ihren Müll künftig in die Tonne und nicht mehr hinter die Häuser zu werfen.

Zu unserer Überraschung betraf das allerdings nur wenige Häuser und wir haben uns trotz der anstrengenden Arbeit in der Mittagshitze über die gute Resonanz auf unser Projekt und das große Interesse der Bewohner gefreut. Nach und nach haben wir insgesamt vier Mal den Müllanhänger gefüllt und zum Müllplatz gefahren.

Bei der ersten Leerung des Anhängers auf unserem Müllplatz kam allerdings direkt die Polizei und hat uns erklärt, dass der mit dem Bürgermeister festgelegte Platz gegenüber einer Anlegestelle liege, von der aus in der Regenzeit bis Dezember Touristen-Boote ablegen in Richtung Tonle Sap. Da die Touristen sich durch unseren Müll und die Geruchsbelästigung belästigt fühlen würden, sei dies an dieser Stelle leider verboten.

Merke: die Einnahmen aus dem Tourismus genießen höchste Priorität und deshalb müssen die ästhetischen Bedürfnisse und die empfindlichen Nasen der Touristen geschützt werden und die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung sind nachrangig.

Da half auch kein Argumentieren und nach Rücksprache mit dem Bürgermeister wurden wir wieder auf den ursprünglichen Platz vom Februar verwiesen, der allerdings schneller an der Seite abfällt und derzeit halb unter Wasser steht. Das bedeutet, dass dieser Platz sofort stellenweise zur Begradigung des Kompostplatzes mit Erde aufgefüllt werden muss. Sobald das Wasser in zwei bis drei Wochen genügend gefallen ist, kann auch der Rest des Platzes mit Erde von tiefergelegenen Stellen aufgefüllt und begradigt werden. Bis dahin müssen der Sortierplatz und der Müllsammelplatz eben auf reduzierter Fläche funktionieren.

Das Ende dieses ersten Arbeitstages der Müllabfuhr haben wir direkt im Cafe´ Colonia mit einem kühlen Bier begossen und beschlossen, dass ich dem Müllmann am nächsten Morgen die Müllsortierung zeigen sollte.

Voller Zuversicht für unser Projekt und mit dem Kopf voller Zukunftspläne sind wir zurückgefahren nach Siem Reap und haben uns nach kurzer Dusche in´s Nachtleben gestürzt.

In dem Sinne ein Hoch auf die erste Dorf-Müllabfuhr
Horst-G. Lippold

19 - Licht und Schatten

Montag, den 3.10.2011
(von Horst-G. Lippold)

ein fleißiger Helfer

Am Montag, dem 3.10.2011 haben wir nicht den Tag der deutschen Einheit gefeiert, sondern sind wie immer früh aufgebrochen, um nach den üblichen Einkäufen von Baumaterialien im Cafe´ weiterarbeiten zu können. Mit an Bord war sogar ein Sanitärspezialist, den Herr Chantol beim Sanitär-Baustoffhändler aufgetan hatte.

Bald waren alle wieder am werken und wir Deutschen haben uns allmählich gewundert, warum jeder Handgriff erst ausgiebig diskutiert werden musste und entsprechend quälend langsam voranging.

Am Nachmittag kam mit einem reichlich abenteuerlichen LKW-Torso die erste Lieferung Sand und Kies für den Kompostplatz.

Da wir schon beim Verteilen der Mülltonnen festgestellt hatten, dass das Ausleeren der Mülltonnen in den Müllkarren ökonomischer ist als der Transport voller Tonnen, haben wir den Müllkarren wieder zu einem Metallbauer in Dom Dek gefahren, um geschlossene höhere Seitenwände und eine Heckklappe montieren zu lassen. Damit müssten nach unseren Schätzungen der Inhalt von 20 - 30 Tonnen zu transportieren sein.

Am Spätnachmittag haben wir dann erstmals den Wassertank mittels der Motorpumpe teilweise befüllt, um einen Dichtigkeitstest der Zu- und Abwasserleitungen vornehmen zu können. Abgesehen von der Tatsache, dass der Helfer oben am Wassertank beim Hantieren mit dem Pumpenschlauch nicht nur den Tank,sondern auch das Café´ ausgiebig wässerte, zeigte der Dichtigkeitstest, dass viele der geklebten Verbindungen und quasi alle Abwasseranschlüsse undicht waren. Das war dann doch ein reichlich ernüchterndes Tagesergebnis der Bauarbeiten.

Außerdem hatte Herr Chantol zwischenzeitlich erfahren, dass von den drei für Travkhit projektierten Brunnen nach 5 (!) Bohrungen bis 25 m Tiefe nur einer funktionieren würde.

Diesen Tag retten konnte nur noch der Abend und zumindestens die Garküchen und Getränkeversorgung in Siem Reap funktionieren nachweislich perfekt.

In dem Sinne: morgen wird alles besser
Horst-G. LIppold

Dienstag, 4. Oktober 2011

18 - Wieder mit den Kindern von Preksromot in Angkor Wat

Sonntag, der 2.10.2011
(von Röttger Maier und Horst-G. Lippold

mit den Kindern in Angkor Wat

Am Sonntag, den 2.10.2011 sind wir wie schon im Februar mit einer Gruppe von Kindern und einigen Erwachsenen nach Angkor Wat gefahren. Die meisten Dorfbewohner von Preksromot haben diese Tempelanlagen, die jede kambodschanische Fahne zieren, noch nie besuchen können.

Da auch Röttger Maier und Alex Springer noch nie vor Ort waren und neben Angkor Wat noch andere Tempel besichtigen wollten, sind die beiden per Tuk Tuk direkt nach Ta Phrom gefahren (damit wir uns später in Angkor Wat treffen) und ich habe meine kambodschanischen Freunde in Preksromot abgeholt.

Mit 36 Kindern und 6 Erwachsenen(!) im besten Sonntagsstaat haben wir in in unseren Kleinbus gequetscht und sind sofort gen Angkor Wat gestartet.

In Angkor Wat habe ich zuerst Wasser für alle gekauft und einen Führer gesucht, der den Kindern etwas über diesen grandiosen Tempel erzählen kann. Unser Führer Sameth hat das auch sehr engagiert getan, wobei ich seinen Erläuterungen auf kambodschanisch natürlich weniger folgen konnte. Er hat mir später erzählt, dass die Kinder eine Menge über die Geschichte der Tempel, wichtiger Könige und Schlachten aus der Schule kannten, aber begeistert waren, es vor Ort sehen zu dürfen.

Bei einem älteren Herrn haben wir Glücksbändchen bekommen und uns segnen lassen.


Am Ende der Tour mit vielen, vielen Photos ging es zum Mittagessen, über das vor allem die Kinder heißhungrig hergefallen sind (viele hatten offenbar nicht gefrühstückt). Ich hätte es mir vorher nicht vorstellen können, aber die Kinder haben jeweil drei bis fünf gehäufte Essteller Reis mit Fisch und Huhn gegessen!

Schließlich hiess es wieder einsteigen zur einstündigen Rückfahrt nach Preksromot, wo wir uns alle erschöpft, aber glücklich voneinander verabschiedet haben. Später am Nachmittag bin auch ich wieder zuhause im Hotel eingetroffen, wo ich mich auf ein erfrischendes Bad im Pool und das Abendprogramm gefreut habe.

in dem Sinne auf die Freundschaft
Horst-G. Lippold


Wetten, daß...?

Für alle Freunde des kurzweiligen Abendprogramms haben wir heute einen Beitrag zum bekannten Fernsehformat. Unsere Saalwette führt uns in das entfernte Preksromot in Kambodscha, ein kleines Dorf mit 238 Häusern und 328 Familien. Die Angaben über die tatsächliche Einwohnerzahl schwanken.

Wetten dass es 36 Kinder, 5 Erwachsene und ein Fahrer schaffen in einem handelsüblichen 8-Sitzer Minibus Platz zu nehmen und zu einem Tagesausflug nach Angkor Wat zu fahren? Hier auf dem Bild die frohgelaunten Wettkandidaten nach einem ausgiebigen Mittagssnack, der aus bis zu 5 großen Tellern Reis pro Kind bestand.


Top, die Wette gilt!

Um uns zwischendurch ein wenig die Zeit zu vertreiben als Intermezzo ein kleines Bildsuchrätsel. Zur Unterstützung unseres Müllentsorgungskonzeptes in Preksromot soll jedes Haus eine Mülltonne, bestehend aus einem halbierten Blechfass erhalten. Diese sollen mit deutscher Gründlichkeit fortlaufend nummeriert sein um den Verbleib des auch bei Schrotthändlern begehrten Altmetalls zu kontrollieren. Dankenswerter Weise übernahmen unsere pfiffigen kambodschanischen Freunde die Aufgabe jedes Fass mit einer eindeutigen Nummer zu versehen.

Wo steckt nun der Fehler im Bild?

Wir schalten wieder um zu unserer Saalwette in Preksromot. Dass der kambodschanischen Kreativität in Sachen Transport kaum Grenzen gesetzt sind, ist hinreichend bekannt.

Werden die Wettkandidaten sich der neuen Herausforderung stellen können? Sehen wir einmal nach.

Und nach ca. 10 Minuten sortieren, hin- und herschieben, ein- und aussteigen und ein bisschen drücken geht tatsächlich die Tür hinter 36 Kindern und 6 Erwachsenen zu – Wette gewonnen!

Zum Schluß dieses kulturell und auch sonst bemerkenswerten Tages gab es wie üblich lecker Abendessen und -trinken entre nous.

Ich wünsche euch den Frieden
Röttger Maier

Sonntag, 2. Oktober 2011

17 - Offizielle Eröffnung der Müllabfuhr durch den Oberbürgermeister

Samstag, den 1.10.2011
(von Horst-G. Lippold)

die Reden zur offiziellen Eröffnung der Müllabfuhr

Am Samstag mussten wir um acht Uhr morgens in Preksromot eintreffen, weil die Müllabfuhr als Bestandteil unseres Müll- und Recycling-Projekts offiziell eröffnet werden sollte. Als wir im für die Eröffnung vorgesehenen Cafe´ Colonia eintrafen, begrüssten uns der uns gut bekannte Preksromoter Bürgermeister Kong Hort, der Oberbürgermeister Pa Po der übergeordneten Verbandsgemeinde Kampong Kleang und ca. 150 Einwohner.

Die beiden Bürgermeister, Herr Chantol und ich (mit Übersetzung durch Herrn Chantol) haben sodann von einem Podium aus alten Schulbänken die erwarteten Begrüßungs- und Eröffnungsreden gehalten; der Rest der Teilnehmer musste in Ermangelung der Stühle auf dem Boden sitzen.

Ich muss gestehen, dass das emotionale Momente waren, zumal der Oberbürgermeister Pa Po betonte, dass unser Umweltschutzprojekt das erste seiner Art in der Region sei und von den Behörden mit großem Interesse und als Pilotprojekt betrachtet werde. Man hoffe, dass unser Ansatz in naher Zukunft in weiteren Gemeinden umgesetzt werden könne.

Herr Chantol und ich haben den Einwohnern schließlich noch das Konzept unseres Touristen-Cafe´s zur Finanzierung unserer Hilfsprojekte in Preksromot erklärt und den ersten Mitarbeiter der Preksromoter Müllabfuhr vorgestellt.

Anschließend wurde der erste Kaffee im Cafe´ Colonia vom Bürgermeister persönlich gekocht und serviert. Der Kaffee schmeckte zu unserer Überraschung wirklich hervorragend und schlägt das Angebot in den meisten Hotels (auch unserem) um Längen. Die Stimmung unter den Teilnehmern unserer zwanglosen Eröffnungsfeier war ziemlich ausgelassen, was wir als gutes Omen für die Zukunft unseres Cafe´s und des Müllprojekts aufgefasst haben.

Im Anschluss ging es an die Verteilung der nummerierten Mülltonnen an die einzelnen Häuser mit unserem im Februar angeschafften Müllkarren.

Herr Chantol und ich haben derweil den neuen Müllplatz ausgemessen, markiert und die erforderlichen baulichen Dinge festgelegt. Der Platz muss auch während der Regenzeit auf trockenem Land liegen und hat deshalb eine Breite von vier Metern bei einer Länge von 20 Metern.

Der entsprechend unseren Recherchen in Battambang für die erste Test- und Erprobungsphase recht kleine Kompostierplatz erhält auf einer Fläche von 6 x 4 m einen Betonboden und ein Dach. Daran anschließend folgt ein offener Anlieferungs- und Sortierplatz von 4 x 4 m und schließlich der umzäunte zentrale Sammelplatz für die nicht kompostierbaren Abfälle auf einer Fläche von 10 x 4 m. Hier sollen separat Pappe und Papier, Flaschen, Plastikfolien, andere Verkäufliche Plastikmaterialien (Joghurtbecher etc.) und schließlich der für die Deponie vorgesehene (unverkäufliche) Restmüll gelagert werden. Bierdosen und andere Büchsen werden wir im Cafe´ sammeln.

Lokale Kleinhändler sollen wegen des hohen Diebstahlrisikos in möglichst kurzen Zeitabständen (täglich ?) Dosen, Papier und Pappe etc. aufkaufen. Die Plastikfolien werden bei ausreichender Menge zu einem Händler nach Battambang oder Pnom Penh transportiert und der Restmüll muss zur zentralen Mülldeponie von Siem Reap gefahren werden.

Derweil haben unsere Preksromoter Freunde fleißig weiter geklempnert und gebaut.

Später am Tag haben wir festgestellt, dass man das Cafe´ in der Regenzeit hervorragend als Sprungbrett für ein erfrischendes Bad in den Fluten nutzen kann.




Kölner und Vereinsfahne im Cafe´ Colonia

Auf dem Rückweg nach Siem Reap haben wir dann noch den Baufortschritt bei den Brunnen in Travkhit begutachtet und in Siem Reap beim altbekannten Sanitär-Baustoff-Händler fehlende Teile für die Rohrleitungen im Cafe´ gekauft. Hier galt wie immer: gut Palaver braucht Weile und darüber wurde es dann auch schnell dunkel.

Den Abend beschlossen haben wir wie üblich – aber trockenen Fußes - mit leckerem Essen und isotonischem Gestensaft in Siem Reap´s Küchen und Bars. Oh ja!

In dem Sinne
Horst-G. Lippold


Umweltschutz ?

der Feind der Balken und Hölzer

auf der Brücke vor dem Cafe´