Sonntag, 30. September 2012

38 - Start unserer Reise im Herbst 2012

Samstag, der 29.9.2012
    (von Horst-G. Lippold)

auf dem Weg nach Kampong Kleang

Auf der Mitgliederversammlung am 18. September haben wir besprochen, welche Aufgaben unsere Gruppe - bestehend aus Marcel Weich, Stefan Roller und mir - auf der Kambodschareise vom 27.9. – 9.10.2012 vornehmlich angehen soll.

Demnach erwartet uns zuerst eine Bestandsaufnahme der bisher gebauten Brunnen und Projekte und im weiteren die Suche nach neuen Brunnenstandorten, die im Frühjahr 2013 gebaut werden sollen. Darüber hinaus wollen wir einen weiteren Versuch mit unserem Projekt zur Müllentsorgung starten. Schließlich wollen wir prüfen, ob bauliche Aktivitäten zur Verbesserung der Wohnsituation bei besonders bedürftigen Familien oder zur Erweiterung von Schulen o.ä. für ausgewählte Dörfer sinnvoll sind. 

Unsere Reise  begann für mich am 27.9.2012 morgens um 7 Uhr in Köln: zum Frankfurter Flughafen, mit Emirates über Dubai nach Bangkok und von dort per Taxi und Minivan über die Grenze in Poipet nach Siem Reap, wo wir endlich am nächsten Abend im Hotel ein- und gleich auch Herrn Chantol trafen.

Am nächsten Morgen ging es nach kurzer Lagebesprechung im Hotel los mit der  Bestandsaufnahme unserer bisherigen Projekte in puncto Brunnenbau, Müllentsorgung und Cafe Colonia.

Wir begannen in Svey Che, wo Anfang des Jahres ein Brunnen in der Mitte des Dorfes gebaut wurde und laut Herrn Chantol großes Interesse an einer geregelten Müllentsorgung besteht.

Der Brunnen wurde zwischen einer Gruppe von Hütten sichtlich sehr armer Bewohner gebaut, die vorher in der Trockenzeit mehr als 1 km bis zur nächsten Wasserstelle laufen mussten. Er funktioniert zur großen Freude der Bewohner und natürlich auch unserer einwandfrei und damit konnten wir auch schon unsere erste Station als Erfolg abhaken.

 
der Brunnen in Svey Che ...


 ... und die umliegenden Hütten

Das Gespräch mit dem Bürgermeister zur angedachten Müllentsorgung gestaltete sich allerdings deutlich schwieriger als erhofft. Im Dorf gibt es 265 Haushalte bzw. ca. 1500 Einwohner, die überwiegend vom Reisanbau und der Viehzucht leben. Die Bewohner des Dorfes sind bereit, pro Haushalt monatlich 2000 Riel (= 0,5 US Dollar bzw. 0,4 Euro) für die Müllentsorgung zu zahlen und betreiben z.T. auch auf privater Basis die Kompostierung ihrer Abfälle.

Nach unseren Erfahrungen in Preksromot reicht dies allerdings nicht, denn zur laufenden Finanzierung benötigt man monatlich 240 – 270 USD. Davon entfallen auf den Müllmann ca. 70 – 80 USD, auf den Abtransport des Restmülls zur Deponie 120 – 140 USD, auf Kraftstoff und kleinere Reparaturen des Müllmopeds nebst Anhänger ca. 20 – 30 USD und auf die Miete eines Müllsammelplatzes ca. 20 USD. Dauerhaft und sicher finanziert wird die Müllentsorgung also nur, wenn jeder Haushalt monatlich 4000 Riel bzw. 1 USD bezahlt. Der Bürgermeister versprach, dies in der Gemeinde zu besprechen, war allerdings ob der diesbezüglichen Erfolgsaussichten genau wie wir skeptisch. Unter diesen Umständen macht es dann leider wenig Sinn, mit der Müllentsorgung in Svey Che zu beginnen.

Am Montag wollen wir unabhängig von der Entsorgung des Restmülls in der Schule von Svey Che besprechen, inwieweit die Schule es unterstützen bzw. über die Lehrer permanent einfordern würde, das die Schulkinder die Wertstoffe von zuhause in bereitstehende Boxen in der Schule bringen würden, um aus dem Verkaufserlös Schulmaterialien etc. zu kaufen. Die verkäuflichen Wertstoffe im Hausmüll sind Papier/Pappe, Plastikflaschen, größere Plastikteile, Glas, Metall und Büchsen. Dies wäre zumindest ein Einstieg in die Müllentsorgung.

Unsere zweite Station war der neue Brunnen in Travkhit, der ebenfalls gut funktioniert und die Bewohner so begeistert, dass sie seinerzeit die Einweihung eine ganze Nacht gefeiert haben.

Brunnen in Travkhit

Schließlich kamen wir wieder in Preksromot an, wo wir feststellen mussten, dass unser allererster Brunnen an der Schule offenbar seit längerem defekt war und nun als Fahradabstellplatz genutzt wurde. Es ist schwer verständlich, warum die Einwohner seine Reparatur nicht veranlasst oder wenigstens Herrn Chantol diesbezüglich verständigt haben; also haben wir dies nun selbst in die Hand genommen und Herrn Chantols Tel.nr. für künftige Fälle hinterlassen.

unser allererster Brunnen an der Schule in Preksromot
(nach der von uns veranlassten Reparatur)

Die Müllentsorgung in Preksromot hatte ein halbes Jahr funktioniert, bis sie wegen der ausbleibenden Einnahmen im Cafe Colonia eingestellt wurde; eine Eigenbeteiligung der Einwohner bei der Finanzierung war seinerzeit in Preksromot nicht durchsetzbar gewesen. Wir haben festgestellt, dass von den von uns aufgestellten Mülltonnen seitdem viele abhanden gekommen sind. Offensichtlich sind die Menschen in Preksromot nicht von der Sinnhaftigkeit der von uns initiierten Müllentsorgung überzeugt. Ich vermute, dass sich diese Verhältnisse erst ändern werden, wenn der Staat in Kambodscha eine Müllabfuhr und die dafür erforderlichen Grundbesitzabgaben per Gesetz einführt.

oh Mann !

Das Cafe Colonia war seit April nach der Abreise von Christoph Reipen geschlossen, da es weder von den Touristen noch von den Einwohnern richtig angenommen worden war bzw. die dafür eingestellte Frau sich als unfähig zum Betrieb des Cafes gezeigt hatte. Wir haben daraufhin beschlossen, das Gebäude wieder frei zu geben, damit Preksromot wenigstens wieder einen öffentlichen Treffpunkt hat. Zumindest in baulicher Hinsicht befindet sich das Gebäude mittlerweile in einem guten Zustand.

ohne Worte
(rechts die Zusterne für den Brunnen am Cafe)

Der im April gebaute Tiefbrunnen mit Generator und Pumpe und großer Wasserzisterne für die umliegenden Bewohner funktioniert zwar einwandfrei, wird aber nicht benutzt, weil der Generator zum Betrieb der Pumpe Treibstoff benötigt und keiner dafür Geld bezahlen will. Wir haben erfahren, dass der Generator seit April lediglich dreimal (!) benutzt wurde. Das hat uns dann doch die Sprache verschlagen und wir haben beschlossen, den Brunnen im Februar umzubauen und auf Handbetrieb umzustellen.

Der dritte im unteren Ortsteil von Preksromot gebaute Tiefbrunnen funktioniert dagegen wiederum einwandfrei und wurde von den Einwohnern gut angenommen. Zu beobachten war allerdings, dass die Bewohner in der Regenzeit trotz der mäßigen Wasserqualität grundsätzlich lieber auf Oberflächenwasser zurückgreifen.

der dritte Brunnen in Preksromot

Die beiden in Kampong Kleang gebauten Brunnen konnten wir nicht besuchen, da diese auf Wunsch der Anwohner anders als im April vereinbart nicht auf ein Podest gebaut worden waren und damit jetzt drei Meter unter Wasser lagen. Die Bewohner bauen das Brunnenoberteil während der Regenzeit ab und nutzen stattdessen das reichlich vorhandene Oberflächenwasser. Nach Aussage der dortigen Anwohner funktionieren allerdings beide Brunnen hervorragend und werden in der Trockenzeit intensiv genutzt.

Zu guter Letzt sind wir noch in einen anderen Ortsteil von Kampong Kleang gefahren, weil uns der dortige Gemeinderat um den Bau zweier zusätzlicher Brunnen gebeten hat. Es gibt dort keinen Brunnen und die Menschen müssen deshalb auch in der Trockenzeit zwangsweise auf schmutziges Oberflächenwasser zurückgreifen. Wir haben in einem längeren Gespräch mit dem Gemeinderat vereinbart, dass im Januar/Februar die beiden gewünschten Brunnen gebaut werden, sobald die von uns geforderte Eigenbeteiligung von 1 USD pro Familie (ca. 250 USD) vorliegt. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Bewohner die Brunnen als ihre Brunnen verstehen und entsprechend an ihrer Erhaltung interessiert sind.

in Kampong Kleang

Damit war unser Tagwerk erledigt und wir sind im Dunkeln erst mit dem Boot über die idyllischen Wasserwege zurück nach Preksromot und dann mit dem Auto zum Hotel in Siem Reap gefahren, wo wir den Tag mit einem Abendessen und reichlich isotonischem Gerstensaft ausklingen liessen.


Horst-G. Lippold    

 
Team Weich - Lippold - Roller

Sonntag, 29. April 2012

37 - Zwischenbericht


Die vergangenen sieben Tage waren wieder ueberaus ereignisreich. Wie schon bereits in dem letzten Beitrag angekuendigt, wurde der Englischunterricht fortgesetzt. Immer mehr Kinder finden sich zumUnterricht im Café Colonia ein. Hin und wieder werden sogar vereinzelte Kids persoenlich von ihren Eltern in das Café gebracht. Bei dieser Gelegenheit lerne ich auch sie persoenlich kennen und zeige ihnen, was ich mit den Kindern  im Unterricht mache. Nicht selten lauschen auch die Eltern dem Unterricht. Bei der muendlichen Mitarbeit hapert es jedoch noch. Da sind die Kinder bedeutend engagierter.



Das Café Colonia eignet sich perfekt als Klassenzimmer. Nicht nur die Ausstattung (Stuehle, Tische, Tafel, Kueche, etc.) ermoeglichen einen  optimalen Unterricht, auch der Standort in der Dorfmitte kann besser nicht sein. So hat es sich mittlerweile im ganzen Dorf herumgesprochen, dass der Mr. Teacher J taeglich 5-6 Stunden Unterricht gibt. Derweil kennt man sich recht gut. So werde ich morgens bei meiner Fahrt durch das Dorf von den Bewohnern freundlich empfangen und am Nachmittag mit einem lieben “Goodbye Teacher”verabschiedet.



Die Anreise mit dem Mofa ist stets ein wahres Abenteuer. Es gibt vieles unglaubliches zu sehen. Jedenfalls mag es auf uns Europaeer teilweise befremdlich und waghalsig wirken,was auf Kambodschas Stassen passiert. Hier im Bild ist einer der zahlreichen voellig ueberladenen  Reis-LKWs zu sehen.






Trinkwasser fuer den Unterricht auf meinem Gefaehrt. Jaja, safety first!!! ;-)



Unser obligatorisches Melonenessen in der Pause. Die sind der Renner bei den Kids.

Morgens, bevor es auf die National Road 6 in Richtung Dom Dek geht, lege ich stets einen Stop bei meiner Obsthaendlerin des Vertrauens ein. Dort kaufe ich das Obst fuer die Kinder. Meist 3 Melonen, ein paar Aepfel und Bananen.




Nach der Pause geht es dann fuer weitere 1-2 Stunden an die Arbeit. An zwei Tagen stand das Basteln von Uhren auf dem  Programm. Viele der Kinder haben dabei gelernt, wie man auf englisch die Uhrzeit angiebt.


Auch in Sachen Brunnenbau koennen wir erfreuliches berichten. Ein weiterer Tiefbrunnen in Preksromot wurde fertiggestellt. Diese Art Pumpvorrichtung war auch mir noch nicht bekannt. Sie funktioniert aber einwandfrei und ist leicht zu bedienen.

Der Sockel wird in den naechsten Tagen einbetoniert. Noch ist die hier zu sehende Reifenkonstruktion provisorisch. Die Hauptsache aber ist, dass die Menschen eine weitere Moeglichkeit haben, sauberes Wasser zu foerdern.


Der Brunnen am Café ist seit heute auch wieder in Betrieb. Nachdem wir einen Generator fuer die Elektropumpe bestellt haben und dieser nun geliefert wurde, konnte Mr. Mo (hier mit seinem Sohn im Bild und der Generator im Hintergrund) die Installation durchfuehren. Das gesamte Wasserversorgungssystem inkl. Wasserturm laeuft perfekt. Das Team um Michael Schwerz,welches diese Konstruktion entworfen und installiert hat, hat wirklich tolle Arbeit geleistet.



Nun heisst es “Wasser marsch!”


Nun verbleiben nur noch zwei Tage, bis auch ich meine Reise fortsetzen werde. Zwei grandiose Monate mit wundervollen KhK e.V. Helferinnen und Helfern sind dann vorrueber.

Ich werde euch aber abschliessend von den letzten beiden Tagen im Dorf Preksromot berichten.

Herzliche Gruesse aus Kambodscha,

Euer Volontaer Christoph Reipen

Sonntag, 22. April 2012

36 - Let's talk English


 Hallo liebe Köln hilft Kambodscha e. V. Fans und alle die es noch werden wollen,

nachdem das grossartige Team um Michael Scherz am 06. April die Weiterreise nach Thailand angetreten ist, hiess es fuer mich: Zack zack wieder an die Arbeit!

(Die ausfuehrlichen Berichte und Fotos von Michael und Co. koennt ihr hier im Blog einsehen!!!)

Da ich jedoch mein Visum um einen weiteren Monat verlaengern musste, steckte ich drei Tage in Phnom Penh fest. Es war nunmal Wochenende. Am Montag, den 09.04. war es dann endlich soweit. Ich bekam meinen Pass und konnte den over-night-bus nach Siem Reap nehmen. Dort angekommen traf ich mich zunaechst mit Herrn Chanthol auf einen Kaffee. Wir berieten gemeinsam, was in den naechsten Wochen zu tun sei.

Die erste Frage, die sich stellte: Wie komme ich in das 50 km entfernte Dorf Preksromot? Der Van, den wir in den Wochen zuvor angemietet haben, waere fuer eine Person viel zu teuer. Somit organisierte Herr Chanthol kurzerhand ein Mofa inkl. Nummernschild und Helm. Nach mehreren Besuchen in der Werkstatt (neue Kette, neue Vorderbremse, neues Kugellager, frisches Oel, neue Seitenspiegel, neue Batterie) war die gute alte Daelimmaschine wieder fit.
Vorher

Nachher 

Nein nein, keine Bange! Nur ein kleiner Scherz. Rechts ist das gute Stueck. Am Donnerstag, den 12. April konnte ich die erste, lang ersehnte Fahrt mit dem Mofa nach Preksromot unternehmen. Ich musste feststellen, dass man mit dem Fahrverhalten eines Deutschen nicht gerade im Strassenverkehr Kambodschas mithalten kann. Mir blieb also nichts anderes uebrig, als meinen Fahrstiel ein wenig anzupassen. Seit dem ist die Hupe an dem Mofa meine beste Freudin.

Ich konzentriere mich momentan darauf, die Kinder in Preksromot zu unterrichten. Was heisst das? Nun, vor allem erteile ich Englischunterricht, der - wie die Bilder zeigen – heiss begehrt ist.

Mr. Teacher und sein Arbeitsplatz im Cafe Colonia 

Da die Kinder teilweise 6 h aufmerksam den Unterricht verfolgen und eifrig mitmachen, darf der Spass natuerlich nicht zu kurz kommen. Zwischendurch gibt es immer wieder kleinere Spiele oder zur Belohnung fuer das fleissige Lernen ein dickes Stueck saftige Wassermelone.

Die Pause haben sich die beiden redlich verdient.
„Kinder! Jetzt seid mal still! Fuer mich ist es auch die sechste Stunde!“

Seit dem 12. April konnten bereits 6 volle Unterrichtstage erfolgreich durchgefuehrt werden. Das Interesse bei den Kindern waechst von Tag zu Tag. Hin und wieder verirren sich auch schon mal ein paar Erwachsene in meinen Unterricht. Auch sie sind natuerlich herzlich willkommen. Somit ergibt sich in Bezug auf das Alter meiner Schuelerinnen und Schueler eine bunte Mischung zwischen 4 und ca. 30 Jahren. Fuer deutsche Paedagogen wohlmoeglich ein Graus, fuer uns im Dorf Preksromot ein riesen Lernspass mit Erfolg!
 
Unterricht fuer Gross und Klein. 

In aller Regel ist das Englischniveau der 8-10 jaehrigen Schueler mit dem der Erwachsenen zu vergleichen, oder sogar noch um einiges besser.

Volle Konzentration - ein Musterschueler. 

 
Wer hat hier eigentlich wen im Griff? – Ein wahrhaft bewegtes Bild. 

Die Groesse der Klasse variiert von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde (3 bis 25 Schuelerinnen und Schueler). Am Montag beginnt eine weitere spannende Unterrichtswoche und ich freue mich schon sehr darauf euch davon zu berichten.

Herzliche Gruesse aus Kambodscha


Euer Christoph Reipen

Samstag, 14. April 2012

35 - Unser letzter Tag in Siem Reap

Am Folgetag werden wir unsere Zelte in Preksromot abbrechen und die verbleibenden Tage unserer Reise mit Strandurlaub verbringen. Zunächst sollte unsere Reise mit dem örtlichen „Linienbus“ von Siem Reap nach Battambang gehen, die Stadt von der alle (mir bekannten) Reiseführer schwärmen, dass sie so hübsch sei, was vornehmlich an dem dort vorherrschenden kolonialen Baustil liegt. Nach einer Übernachtung geht es mit dem Großraumtaxi weiter über Pailin zu dem Grenzübergang Psa Phrom bzw. LonPhakkard auf der thailändischen Seite auf die Insel Ko Chang, Loneley Beach ins Bhumiyama Beach Resort and Spa. Der Fährhafen zum Übersetzten auf die Insel ist Laem Ngop.

Nun aber zurück zu unserem vorerst letzten Tag in Siem Reap und Preksromot, in unserer Mission für Köln hilft Kambodscha. Wir hatten unseren letzten Tag als den Tag auserkoren, an dem wir einen kleinen Teil der weltberühmten Tempelanlagen von Angkor einen Besuch abstatten. Kurz gesagt, nach kurzem Frühstück ging es zusammen mit Herrn Chanthol um 6.15 Uhr mit unserem Bus los.


Auch wenn es schon mein dritter Besuch der Tempel von Ta Prohm, Angkor Thom, Angkor Wat und Bayon war, ließen in mir die Ausmaße dieser Tempelanlagen mit den zig, zig Tonnen von verbauten Steinen, das offensichtliche Alter dieser Anlagen, die zum Teil riesigen darauf wachsenden Bäume erneut Ehrfurcht und Bewunderung auf die Kultur Kambodschas in mir aufsteigen. Mit Herrn Chanthol, der uns während unserer nahezu gesamten Zeit in Siem Reap und Preksromot als Führer und Dolmetscher diente, waren wir eine kleine elitäre Reisegruppe von 6 Personen mit eigenem Reiseführer.


So streiften wir unter anderem auf den Spuren von Lara Croft durch den von stattlichen Bäumen mit unglaublich dicken Wurzeln dominierten Tempel Ta Prohm. Bei gut 40° Celsius kletterten wir einiges später auf den zentralen Turm von Angkor Wat und ließen uns von der Aussicht auf das umliegende riesige Tempelareal, das teils durch Urwald bedeckt ist, beeindrucken.

Gegen 12.00 Uhr waren wir voller Eindrücke über Könige, Apsaras, Mönche, Tempelanlagen, Wasserwege, Fresken, und vieles, vieles mehr. Planmäßig beendeten wir unsere Sightseeingtour durch die Tempelanlagen von Angkor mit der Empfehlung an alle, dieses Kulturerbe selbst zu besuchen und sich selbst in die Hochkulturzeit Kambodschas entführen zu lassen.

Es ging mit dem Bus zum Bürgermeister nach Kompong Khleang. Dieser Ort liegt hinter Preksromot an der gleichen Straße. Es ist ein Fischerdorf und wurde bereits in vorangegangenem Beitrag beschrieben. Zwei Tage zuvor war ich mit Herrn Chanthol dort gewesen und konnte mich von der Dringlichkeit frischen Trinkwassers in Form zweier Tiefbrunnen für die Bewohner überzeugen. In dem Besuch heute galt es zusammen mit dem Bürgermeister Kho Klang die beiden Standorte im Dorf festzulegen. So zogen wir zusammen mit Kho Klang durch das Dorf. Die Bewohner, die zu Hause in ihren Hütten saßen, schauten neugierig auf die merkwürdige Delegation. Teilweise winkten sie uns zu, denn es hatte sich bereits herumgesprochen, dass es in Kürze zwei Tiefbrunnen geben würde.


Der erste Brunnenplatz war schnell gefunden, er soll unmittelbar neben dem Gemeindehaus entstehen, so dass möglichst viele Bewohner einen Nutzen davon haben.


Der Zweite Brunnen soll in einem anderen Teil des Ortes etwa 170 Meter weiter entstehen. Direkt zwischen zwei Hütten, an einem kleinen Platz neben einem kleinen Geschäft (ein Tante-Emma-Laden auf kambodschanisch). Zwischendurch kam bei der Bevölkerung, die sich mittlerweile unserer kleinen Delegation angeschlossen hatte, eine kleine Streiterei auf, da jeder gerne den Brunnen direkt neben seinem Haus sehen würde. Nach einer Diskussion, bei der sich unser Herr Chanthol kräftig beteiligte, akzeptierten schließlich alle Dorfbewohner den von Bürgermeister Ko Klang vorgeschlagenen Brunnenplatz, so dass die Brunnenbohrarbeiten in Kürze beginnen können.


Mit vielen „Thank you“ und „good luck“-Wünschen der Bewohner von Kompong Khleang brachen wir schließlich auf in Richtung des Brunnens in Preksromot, der sich gerade im Bau befindet. Dort war man schon bei rd. 33 Meter Bohrtiefe angekommen. Die Männer waren guten Mutes, den Brunnen in Kürze fertig stellen zu können. Dank der großzügigen Spende von RWE Companius sind wir in der Lage, diesen Brunnen zu bauen. Laut Angaben der Arbeiter erwarten Sie, dass die Bohrung in den nächsten Tagen auf Wasser stößt.


Sobald der Brunnen fertig gestellt ist, werden die Arbeiten in dem Fischerdorf an den beiden Brunnen beginnen.

Nachdem wir uns überzeugt hatten, dass die beauftragten Brunnenbohrer an den Brunnen arbeiteten, fuhren wir weiter zum Café Colonia, um hier die letzten Handgriffe am Rohrleitungssystem für die Zisterne, die Toilette und die Küche zu erledigen.



Dank der Hilfe von Mo, dem fleißigen Helfer in Preksromot, und den beiden Zimmermännern, die uns unermüdlich geholfen hatten, waren wir auch damit schnell fertig. Ein kurzer Probelauf zeigt, dass der Wasserlauf wieder funktionierte. Allerdings mussten wir Herrn Chanthol bzw. Christoph Riepen, unseren Volontär, bitten noch einige Dinge die wir angestoßen haben zu erledigen. Weiterhin fehlen noch die in Auftrag gegebenen Schilder, die an den gebauten Brunnen auf Köln hilft Kambodscha sowie die Spender, die die einzelnen Aktivitäten ermöglichen, hinweisen. Auch der Gitterschrank für den neuen Generator im Café Colonia, wird erst in den nächsten Tagen fertig.

Zum Schluss besuchten wir noch das Bauerndorf Travkhit, um hier ein letztes mal zu sehen, wie weit die Bewohner mit der Zementierung gekommen sind. Die Randummauerung des von der Firma Henkel finanzierten Brunnen war fertig, der Innenraum mit Erdreich aufgefüllt, so dass am nächsten Tag die Zementierarbeiten für die Deckplatte gemacht werden können. Die Kinder haben den Brunnen schon in Beschlag genommen und freuten sich sichtlich an dem frischen, kühlen Wasser. Noch ein paar Fotos von Brunnen und den Kindern und wir verließen gegen Abend erschöpft und zufrieden unsere Wirkungsstätten Richtung Hotel mit dem Bewusstsein, dass noch vieles zu tun, dennoch ein bisschen schon geschafft ist.


Als Fazit der vergangenen Tage möchte ich folgendes zusammenfassen:

Unsere Hilfsaktionen werden dort durchgeführt, wo Hilfe wirklich benötigt wird. Wir haben uns kurzerhand entschieden, zwei geplante Brunnen aus Orten, die bereits vielfach mit sauberem Trinkwasser versorgt werden in Ortschaften zu verlegen, bei denen die Armut der Bevölkerung so groß ist, dass es für Teile von Familien nicht zu hochwassersicheren Hütten, geschweige denn für Trinkwasserbrunnen reicht.

Auch wenn wir vielleicht unsere Ausrichtung hinsichtlich Müllsammeln und -entsorgen grundlegend überdenken müssen, sind die Bewohner der Orte Preksromot, Travkhit und Kompong Kleang sehr arme Menschen, die unsere Hilfe wirklich gebrauchen können und dankbar für jede Art von Hilfe sind. Möglicherweise war unsere Ambition eine sich selbst finanzierende Müllabfuhr einzurichten bei Bewohnern, die sich den ganzen Tag um die Versorgung Ihrer Grundbedürfnisse kümmern, zu hoch gegriffen. Dennoch können wir aus unseren Aktivitäten vergangener Reisen einen Sieg verzeichnen: Die Bewohner sammeln Müll in den aufgestellten Mülltonnten. Das ist eine Basis, auf der bei den nächsten Reisen aufgebaut werden kann.

Innerhalb der vergangenen Tage haben wir nicht alle, aber viele Reparaturarbeiten und Erweiterungen am Café Colonia mit harter körperlicher Arbeit, Schweiß und viel Hilfe durch die Bewohner erledigt. Meiner Meinung aber war der Dialog mit den Erwachsenen und den Kindern, der sich im Rahmen der beiden Waffelbackaktionen ergab, einer der wichtigsten unserer Leistungen. Die von Marlene Jenniges initiierte Aktion hat dafür gesorgt, dass die Dorfbewohner ihre Scheu mehr und mehr verloren und die Barrieren zu uns sanken. Jeden Tag waren mehr und mehr Kinder aber auch erwachsene Bewohner auf der Baustelle, um uns nicht nur zuzuschauen sondern auch zu helfen.

Alles in allem sind wir nun nach 6 Tagen erschöpft aber auch zufrieden und werden die paar Erholungstage sicherlich sehr genießen. Ich möchte mich hier bei meinen Mitreisenden Marlene, Melanie, Karl-Heinz, Thomas B. und Thomas S. sowie Herrn Chanthol für ihren unermüdlichen Einsatz und die tolle Gemeinschaft bedanken. Mit Euch fahre ich jederzeit wieder nach Kambodscha.


In diesem Sinne verbleibe ich an alle mit den besten Grüßen aus Kambodscha. Ich freue mich schon, den daheimgebliebenen Fotos zu zeigen und Geschichten zu erzählen.



Euer Michael Scherz

Montag, 9. April 2012

34 - Projekt Zisterne....


Mittwoch 04.04.2012

Heute Morgen ging es wie gewohnt um 08.00 Uhr nach Preksromot. Unterwegs hielten wir zunächst bei einer Werbeagentur die beauftragt wurde. Die Hinweistafeln für die Brunnen herzustellen. Die Tafeln werden in DIN A3 Format gefertigt und haben folgenden Text:


Auf unserer Weiterfahrt machten wir noch einen Zwischenstop bei einem Betonbauer, der uns die Behälter für die Zisterne im Außenbereich am Cafe-Colonia verkaufte. Es wurde lange beratschlagt, wie wir das Setzen der Betonringe bewerkstelligen könnten.

Wir sahen darin das Problem die schwergewichtigen Betonteile zu versetzen. Die unteren wären noch zu händeln, aber die letzten beiden Ringe müßten ja immerhin auf 3m Höhe gewuchtet werden. Als der Betonbauer uns das Versetzen der Ringe durch ihn und ein paar Helfer für 45,00 US Dollar anbot, waren wir schnell übereins diesen Betrag zu zahlen.

Er versprach uns die Arbeiten noch am gleichen Tag zu erledigen. Erleichtert setzten wir unsere Fahrt fort. In Travkhit schauten wir noch schnell an dem schönen neuen Brunnen vorbei und waren überrascht wie genau die Dorfbewohner die Brunneneinfassung mauerten.

Unsere Männer ließen es sich nehmen mit anzupacken, und ein paar Reihen Steine zu versetzen. – Viele Hände ein schnelles Ende –





In Preksromot sahen wir, das die Männer Wort gehalten hatten, und das Plateau für die Zisterne schon soweit vorbereitet hatten. Nach ein paar Nachbesserungen durch Thomas Bell und Karl-Heinz war alles bereit für die Betonbauer, die dann auch pünktlich um 11.30 Uhr anrückten. Während dessen hatten Melanie und Thomas S. die Leitungen fertig installiert. Es fehlten noch ein paar Teile, die Melanie und Michael mit unserem Fahrer noch organisierten. Nach kaum einer Stunde gab es den ersten Bau-Stop.




Der Bürgermeister kam mit dem Besitzer des angrenzenden Grundstückes, der behauptete, der Außenbrunnen sei zu nah an seiner Grundstücksgrenze. Was tun? Abreißen kam für uns nicht in Frage. Ausschlaggebend für das Belassen des Brunnens war einfach, dass die Dorfbewohner sich vehement dafür einsetzten. Also ging es weiter....





Die Männer leisteten beim Setzen der Betonringe gute Arbeit, und waren gegen 16.00 Uhr fertig. Mit dem Restbeton wurde vor der Zapfstelle noch ein kleines Plateau betoniert.




Mit großer Freude nahmen die fleißigen Männer unsere Einladung zu Waffeln und Bier gerne an. Bei meiner Müllsammelaktion unter und rund um das Cafe hatte ich tatkräftige Unterstützung von drei lieben Kindern, die sich sehr geschickt anstellten.






Zum Dank für die tatkräftige Hilfe, spielte ich mit den Kindern „Mensch-ärgere-Dich-nicht“. Wurde zu heftig gewürfelt, kam es vor, dass ein Würfel auch schon mal durch eine Spalte im Fußboden verschwand, aber schnell war eins von den kleinen unter dem Cafe verschwunden, um dann mit stolzem Lächeln mit dem Würfel wieder aufzutauchen. Jetzt aber an den Hefeteig. Wollten natürlich alle mitmachen, um den Teig anzurühren. Zwei Eier fielen zu Boden, ...egal. Während der Teig ging, präsentierten die Kinder ihre Englischkünste. Nicht schlecht, manche hatten ein tolle Aussprache.

Im laufe des Tages schaute zufälligerweise auch noch "LuckyLuke" kurz in unserem Cafe vorbei um ein kurzes Nickerchen zu halten ;-)


Auf einmal ein Aufschrei, ach du Schreck, der Teig quoll über den Eimerrand und lief über den Fußboden. Zum Glück hatte Thomas Bell an seiner Spezialkonstruktion schon angefeuert, so das wir gleich mit dem Backen beginnen konnten. Die Waffeln verschwanden auf direktem Weg aus dem Eisen, direkt in den Mündern der Umherstehenden. Scheinen ja zu schmecken, na prima :-)...!

Thomas Bell und Michael besuchten den gegenüberliegenden Ort um mit dem dortigen Bürgermeister über den Bau zwei weiterer Brunnen zu reden. Der Ort erschien uns noch ärmlicher und bedürftiger wie Preskomot. Er liegt tiefer und ist während der Regenzeit komplett überschwemmt. Heißt, das die Brunnen auf einem Betonplateau (ca. 3m hoch) angebracht werden müssen, was die Baukosten um ca. 500,00 US Dollar erhöht, was aber unumgänglich ist. Am Ende des Arbeitstages gab es gönnten sich die "Herren" noch einen frischen Schlangenkopffisch aus den Tonle Sap Gewässern.





Karl-Heinz wollte noch gerne mit dem Moped Richtung Tonle Sap See fahren, um sich ein Bild dieser Gegend machen zu können. Schon beeindruckend, was es da zu sehen gab (Schwimmende Dörfer etc.)....! ....und dann nach ca. 3km Ende der Fahrt. Trocken gefahren. Na super, ...aber wer sein Moped liebt der schiebt.

Aber eine nette Familie hatte Erbarmen und half ihm mit einer Flasche Gemisch Benzin weiter. Und das sogar obwohl er kein Pfennig Geld dabei hatte. Er erschien Ihnen doch als Kreditwürdig, sodass er seine Fahrt fortsetzen konnte. Als er dann einige Zeit später mit Dollar, Gummibärchen für die Kinder und mir auf dem Sozius zurückkam, wurden wir Herzlich empfangen.

Die Herzlichkeit der Menschen, trotz ihrer Lebensumstände, ist einfach bewundernswert.


Liebe Grüße aus der Ferne von Marlene Jenniges