Samstag, 30. März 2013

46 - Und täglich grüßt das Murmeltier

Freitag, den 29.03.2013
(von Jessica Mohr)


Der Wecker klingelt um 06:30 Uhr. Es ist Freitag. Karfreitag. Und täglich grüßt das Murmeltier! Denn es ist der vierte Tag, an dem wir an Kann’s „Green House Project“ arbeiten. Diesmal geht es gleich morgens früh schon los auf die Baustelle. Uns steht also der lange heiße Tag zum Arbeiten zur Verfügung.

Die Kinder erwarten uns schon und jedes Einzelne begrüßt uns mit zum Gruß zusammengefalteten Händen und einem freundlichen „hello“. Wir machen uns gleich an die Arbeit, denn wir wollen Ergebnisse sehen und unser Bauprojekt am Wochenende abschließen. Es werden wieder Löcher gebuddelt, Holzpfähle bearbeitet, Beton gemischt… Derweil werden die Kinder schick gemacht und verabschieden sich eins nach dem anderen in die Schule.


Wir hatten früh am Morgen eine etwas angenehmere Arbeitstemperatur erwartet, doch die Sonne lässt uns schon bei den ersten Handgriffen schwitzen. So dauert es nicht lange, bis wir alle mit hochrotem Kopf regelmäßig zu unseren warmen Wasserflaschen greifen. „Du musst den Schmerz umarmen!“ wird hier schnell zu unserem Motto.


Am Mittag ruft Kann uns zu Tisch. Seine Frau hat uns etwas zu essen zubereitet. Wir legen eine ausgedehnte Mittagspause ein und freuen uns umso mehr als wir feststellen, dass man extra für uns eines der Hühner geschlachtet hat. Auch die selbst gezüchteten Pilze finden sich im Mittagessen wieder. Und als wäre das noch nicht genug, bekommt Julia, die Vegetarierin unter uns, eine Extra-Portion mit verschiedenstem Gemüse aufgetischt. Dazu für alle ein großer Kessel mit dampfendem Reis. Mahlzeit!


Anschließend ein kurzes Nickerchen im Schatten und wir fühlen uns gestärkt für den Nachmittag: Löcher buddeln, Holzpfähle bearbeiten, Beton mischen… Es sollen die ersten Pfähle des Tages gesetzt werden und wir müssen feststellen, dass die von Kann angezeichneten Stellen für die Löcher nicht wirklich genau in einer Reihe liegen. Und auch, dass nicht alle Abstände stimmen. Dabei hatte er das doch extra gemessen. Nachdem wir alle noch fehlenden Löcher 1m tief ausgegraben haben, spannt Kann nun eine Schnur. Und siehe da, zwei Löcher sind nicht dort, wo sie eigentlich hin sollen. Wer hat denn auch behauptet, dass deutsch-kambodschanische Zusammenarbeit mit all den Kommunikationsschwierigkeiten und Mentalitätsunterschieden bei einem solchen Projekt reibungslos läuft? Niemand. Also: Weiterbuddeln! Du musst den Schmerz umarmen…




Am Spätnachmittag kommen die Kinder heimgeradelt, legen ihre Schulsachen beiseite und tummeln sich auf der Baustelle. Schnell nehmen die Größten uns die Schaufel aus der Hand und wollen sich selbst im Betonmischen versuchen. Die Kleinsten sammeln unsere leeren Wasserflaschen und holen Wasser am Brunnen. So wird die letzte Reihe Pfähle zügig gesetzt und alle arbeiten Hand in Hand - auch ohne Worte – bis es schließlich wieder dunkel ist.



Jessica Mohr

Donnerstag, 28. März 2013

45 - Nach holprigen Wegen tolle Brunnenprojekte

Donnerstag, den 28.03.2013
(von Julia Lippold)

holprige Wege

Wie am Mittwoch beschlossen haben wir uns heute in der Frühe auf in Richtung Nordkambodscha gemacht. Um 8.20 Uhr haben wir Kann und den Brunnenbauer, welcher uns auch gestern begleitet hat,  abgeholt und uns auf die etwa zweistündige Fahrt gemacht.

In Varin angekommen haben wir uns zunächst mit dem Bürgermeister und einigen Gemeinde-arbeitern getroffen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Der Bürgermeister erklärte uns, dass er zunächst einen Brunnen in der Nähe des Rathauses plane. Dieser soll zunächst mit einer Handpumpe betrieben werden, im Laufe der Zeit sollen aber noch Tanks und eine Pumpe nebst Generator hinzu kommen. Versorgt werden sollen mit dem Bau dieses Brunnens 3 Dörfer mit insgesamt etwa 5000 Einwohnern.


Also haben wir uns aufgemacht und nach einem kurzen Fußmarsch die Stelle erreicht, die der Bürgermeister vorgesehen hat. Nach weiteren Besprechungen zur konkreten Planung, sowie der finanziellen Regelung und dem möglichen Zeitraum des Baus haben wir dem Projekt zugestimmt.
Uns wurde zugesichert, dass am Freitag mit dem Bau begonnen wird und am Montag in jedem Fall Wasser erreicht ist und der Bau fast abgeschlossen sein wird. Davon wollen wir uns am Montagnachmittag überzeugen.

Zurück an unserem Auto sind wir ein kleines Stück weitergefahren, um dort eine weitere mögliche Stelle für einen Brunnen zu besichtigen. Der Bürgermeister erklärte uns, dass hier ab April ein Markt entstehen soll. Erwartet wird, dass sich im Anschluss an diesen auch weitere Einwohner hier niederlassen werden.

Da dies jedoch am heutigen Tag noch nicht abzusehen ist und wir befürchten, dass durch diverse Umstände der Markt doch an einem anderen Ort errichtet werden könnte, haben wir uns dazu entschlossen, dieses Projekt erst bei der nächsten Reise im September/Oktober durchzuführen.

Anschließend haben wir unsere Fahrt ohne den Bürgermeister fortgesetzt. Kann wollte ein weiteres, noch ärmeres Dorf mit uns besichtigen. Die Bewohner dieses Dorfes müssen, um an Wasser zu gelangen,  3km laufen (!). 

Um dieses Dorf erreichen zu können, mussten wir unser Gefährt wechseln. Wir sind auf einen Anhänger umgestiegen, der von einer Art Minitraktor gezogen wurde. Warum wir das getan haben, wurde sehr bald deutlich; die folgenden 30 Minuten sollten wir ordentlich durchgeschüttelt werden. Nach dieser abenteuerlichen und dennoch amüsanten Fahrt die durch eine sehr fröhliche Frau begleitet wurde, kamen wir schließlich an dem Ort an, für den Kann einen weiteren Brunnen vorgeschlagen hat.

Bei der Besprechung, wie ein Bau ablaufen könnte, wurde klar, dass dieser Bau etwas aufwendiger ist. Der Boden besteht an dieser Stelle nicht ausschließlich aus Sand sondern zusätzlich aus Gestein. Des weiteren muss an dieser Stelle tiefer als sonst meistens üblich gebohrt werden. Der Brunnenbauer, der uns begleitet hat, ist hierzu jedoch nicht in der Lage. Also müsste eine andere Firma (?) beauftragt werden.  Bevor wir eine Entscheidung treffen wollten, baten wir darum, uns zunächst einen Eindruck vom Dorf machen zu dürfen.

Beim Besichtigen kamen wir dabei unter anderem an der Schule des Dorfes vorbei. Diese wird von 48 Schülern des Dorfes besucht und besteht lediglich aus einem herunter gekommenen Holzbau, was uns sehr deutlich gemacht hat, dass dieses Dorf wirklich sehr arm ist und Hilfe benötigt. Auch haben wir dort  die Besprechungen für den eventuellen Bau des Brunnens fortgesetzt.  Dabei wurde erörtert, ob es möglich wäre, am folgenden Tag mit dem Bau zu beginnen und wie die Finanzierung gewährleistet werden soll.


Von Seiten des Dorfes wurde  die Bereitschaft gegeben, sich finanziell am Bau zu beteiligen. Es wurde abgemacht, dass ,wenn möglich, der Bau am Freitag beginnen soll und wir am Montag auch den Fortschritt des Baus dieses Brunnens besichtigen.  Unter der Prämisse, dass das Wasser bis dahin erreicht ist, sollen am Montag 1500 USD von unserer Seite bezahlt werden sowie 500 USD gemeinschaftlich vom Dorf. Von dieser Bereitschaft waren wir zutiefst beeindruckt, besonders nach den Erkenntnissen, die wir am gestrigen Tag machen mussten.


Also haben wir uns auf den holprigen Weg zurück gemacht und es herrschte eine fröhliche Stimmung auf allen Seiten, was die Fahrt noch amüsanter machte.

Wieder umgestiegen in unser Auto haben wir uns auch direkt anschließend auf den Weg zurück nach Chey Village gemacht, um die nur noch wenig verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang für den Bau der Gewächshäuser zu nutzen. Zu unserer Freude wurde auch tagsüber bereits weiter gearbeitet. Löcher zu buddeln gab es natürlich trotzdem nach wie vor. Und obwohl die Temperatur fast angenehm kühl war, flossen erneut viele Tropfen Schweiß.

Die Pfosten der Außenseiten stehen nun alle in ihren Löchern und wurden heute bis auf wenige verbleibende einbetoniertiert. Zusätzlich wurde der erste der längeren Mittelpfosten mit viel Kraftaufwand und vielen helfenden Händen in das entsprechende Loch gehievt und ebenfalls einbetoniert. Natürlich waren auch wieder viele Kinder mit dabei und haben begeistert neues Wasser vom Brunnen geholt und sich einen Spaß daraus gemacht, wer es schafft, am meisten Wasser von der eigenen Flasche auf die Zementmischung zu schütten. Da muss man schon manchmal eingreifen, damit nicht die Baustelle geflutet wird.


Nach Einbruch der Dunkelheit haben wir uns von Kann, seiner Frau und den Kindern verabschiedet und sind zurück zum Hotel gefahren. Dabei konnten wir uns natürlich wieder nicht entgehen lassen, eingestaubt und verdreckt den anderen Besuchern des Hotels zu begegnen. Die Erklärung, dass wir einen neuen Tempel gefunden haben, wurde nur mit Irritation angenommen.

Und nachdem gestern der Abend so früh im Hotel endete und wir dem entsprechend ausgeschlafen waren, war die Motivation heute groß, noch in die Stadt zu ziehen. Manchen Traditionen möchte man ja treu bleiben, und so gibt es wohl im Laufe des Abends wieder 50 Cent-beer with free popcorn.

Also dann, mit Freude auf den morgigen Tag,

Julia Lippold



Mittwoch, 27. März 2013

44 - Der zweite Arbeitstag

Mittwoch, der 27.3.2013
(von Horst-G. Lippold)


am ersten Brunnen in Kampong Kleang

Heute sind wir schon um acht Uhr morgens gestartet, um gemeinsam mit Kann und einem Brunnenbauer die Funktionsfähigkeit der im letzten März/April gebauten Brunnen zu überprüfen sowie die geplanten Standorte der im letzten Oktober besprochenen neuen Brunnen in einem anderen Ortsteil von Kampong Kleang zu inspizieren und ggfs. erforderliche Details abzusprechen. Das Problem in Kampong Kleang besteht darin, dass es trotz der Nähe zum riesigen Tonle Sap-See nur wenige Stellen mit ergiebigem Brunnenwasser gibt.

Bei der letzten Reise im Oktober hatten wir mit dem Gemeinderat in Kapong Kleang verabredet, dass die Bewohner für jeden der ca. 200 Haushalte jeweils 1 USD bzw. insgesamt ca. 200 USD als Eigenbeitrag der Gemeinde bereitstellen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die geplanten Brunnen für jeweils 1500 USD kein Geschenk, sondern ein gemeinsames Projekt sind.


Angekommen in Kampong Kleang haben wir uns also mit dem Bürgermeister und einigen Mitgliedern des Gemeinderates getroffen, um alle offenen Fragen zu klären. Der Bürgermeister hat uns sodann zu unserem Erstaunen erklärt, dass nur wenige Haushalte bereit seien, ihren symbolischen Beitrag von 1 USD zu leisten und es daher schwierig sei, die geforderten 200 USD einzusammeln. Außerdem könnten die beiden im letzten Jahr im benachbarten Ortsteil gebauten Brunnen aufgrund ihrer schlechten Wasserqualität nur zum Waschen, aber nicht für die angedachte Trinkwasserversorgung genutzt werden.


Wir haben daraufhin erläutert, dass der gewünschte Bau neuer Brunnen für uns nur mit dem verabredeten Eigenbeitrag der Bewohner und primär als Trinkwasserbrunnen zustandekomme, wobei der anwesende Brunnenbauer darauf hinwies, dass die Trinkwasserqualität sowohl bei den bestehenden als auch den neuen Brunnen relativ leicht und preisgünstig für 20 – 30 USD mit Filtern sichergestellt werden kann.

Da der Gemeinderat in unserer recht langatmigen und mühseligen Diskussion zu keinem Zeitpunkt erkennen ließ, ob der geforderte Eigenbeitrag zustandekommt und ob überhaupt ein echtes Interesse an zusätzlichen Brunnen besteht, haben wir das Gespräch schließlich abgebrochen, um eine Denkpause einzulegen und die bestehenden Brunnen zu inspizieren. Nach einem kurzen Fußmarsch in den gegenüberliegenden Ortsteil konnten wir uns davon überzeugen, dass beide Brunnen funktionieren und tatsächlich nur zum Waschen genutzt werden, obwohl Kann uns nach einigen Trinkproben versicherte, dass das Wasser zwar nicht besonders gut schmecke, aber zumindestens trinkbar sei.

am zweiten Brunnen in Kampong Kleang
nochmal am ersten Brunnen: nur zum Waschen!

Nachdem die anwesenden Bewohner uns erklärt haben, dass sie stattdessen Trinkwasser in Flaschen für 0,25 USD je Eineinhalb-Liter-Flasche kaufen, waren wir nach kurzer Rechnung doch etwas irritiert, warum sie nicht stattdessen gemeinsam 20 – 30 USD investieren, um künftig das Trinkwasser zum Nulltarif aus dem Brunnen zu holen. Nach unserer Einschätzung hätte sich diese Investition selbst bei sparsamstem Wasserverbrauch in max. 1 Woche rentiert.

An diesem Punkt haben wir beschlossen, dem Rat von Kann zu folgen und trotz unserer Absprache im letzten Jahr keine weiteren Brunnen mehr in  Kampong Kleang zu bauen und stattdessen neue Standorte weiter im trockenen Norden zu suchen, wo die Armut und Wassernot nach seiner Einschätzung  größer sei und unsere Hilfe auf echte Wertschätzung stoßen würde.

Um keine weitere Zeit zu verschwenden, haben wir verabredet, direkt am nächsten Morgen gemeinsam mit dem Brunnenbauer geeignete Standorte in abgelegenen Dörfern im trockenen Norden zu suchen, um kurzfristig oder im Herbst mehrere Brunnen für Menschen zu bauen, die aufgrund ihrer Wasserknappheit unser Hilfsangebot eher wertschätzen.

Nach dieser insgesamt etwas ernüchternden Episode sind wir zurück gefahren nach Chey Village, um uns gemeinsam mit Kann wieder dem Bau der Gewächshäuser zu widmen. Angekommen ging es nach kurzer Mittagspause in der Gluthitze weiter mit dem Graben der Pfostenlöcher für das zweite Gewächshaus: außen jeweils 16 etwas dünnere Pfosten 20 cm Durchmesser und 50 cm Tiefe und innen jeweils größere Pfosten 40 cm Durchmesser und 1 m Tiefe.


Das gab zunehmend rote Köpfe und nach dem Betonmischen und Einbetonieren der äußeren Pfosten im Dunkeln sind wir schließlich abends um kurz vor acht zurück zum Hotel gefahren, um müde, hungrig und ungeduscht zum Essen zu gehen. Der Abend endete dann auch für alle nach dem Duschen und Wäschewaschen ohne Umwege und die sonst üblichen Kneipenbesuche in der Stadt direkt im Bett.


Na, dann gute Nacht
  Horst-G. Lippold    

43 - Startschuss für das „Green House Project“

Dienstag, den 26.03.201
(von Jessica Mohr)

die Kinder bei Kann Reourt

Der erste Arbeitstag in Kambodscha. Nachdem wir seit Sonntag mit Zügen, Flugzeugen, thailändischen und kambodschanischen Kleinbussen sowie Tuk Tuks vom kalten Köln ins feucht-heiße Kambdscha gereist sind, wollen wir heute endlich etwas tun!

Wir haben in Siem Reap übernachtet und machen uns morgens auf den Weg nach Chey, wo wir das Kinderdorf von Kann Roeurt aufsuchen wollen. Ihn haben wir auf unserer Reise im Herbst 2012 kennengelernt. Kann und seine Frau haben die Organisation RICE gegründet (Rural Improvement Council for Economy Organization) und damit Verantwortung für 16 Waisenkinder übernommen.


Derzeit bestreiten sie ihren Unterhalt unter anderem mit einer Hühner- und einer Pilzzucht. Mit dem von uns in 2012 angeschafften Inkubator können nun 1000 Hühnereier monatlich ausgebrütet werden. Die jungen Hühner können ab 1kg Gewicht für 3 USD verkauft werden und bringen dem Kinderdorf mittlerweile ca. 200 USD Einnahmen pro Monat. Darüber hinaus werden monatlich bis zu 2000 Eier verkauft. Damit kann nun regelmäßig Essen angeschafft werden und die Kinder müssen nicht mehr hungern.



Kann und seine Frau leben das Prinzip der Nachhaltigkeit. Sie wollen nicht auf regelmäßige Spenden angewiesen sein, sondern ihren Unterhalt mithilfe von Landwirtschaft selbst bestreiten. Davon sollen die Kinder nicht nur satt werden, sondern auch zur Schule und im besten Fall sogar studieren gehen können. Und sie sollen lernen, dass sie im Leben selbst etwas tun müssen, um sich ihren Unterhalt zu sichern. Wir finden, dass Kann dieses Prinzip bisher gut umgesetzt hat und sehen insbesondere bei der Hühnerzucht mit unseren eigenen Augen, dass es funktioniert.


Deshalb entscheiden wir uns dafür, Kann bei seinem „Green House Projekt“ zu unterstützen. Er möchte zwei Gewächshäuser bauen, um darin ganzjährig Salat zu züchten. Der Salat soll an Hotels mit Gästen aus Europa und Singapur verkauft werden; hierfür gibt es schon einen festen Abnehmer. Das Gewächshaus soll 30 Reihen Salat vor der starken Sonneneinstrahlung und vor sinnflutartigem Regen schützen. Täglich soll eine Reihe geerntet und verkauft werden, d.h. 25 kg Salat zu 3 - 3,5 USD pro Kilo. Damit wäre der Unterhalt von Kann, seiner Frau und den 16 Kindern gesichert. Und die Kinder lernen, wie man sich mit ehrlicher Arbeit selbst versorgt.


Wir scheinen Kann ein wenig zu überraschen, dass wir noch am gleichen Tag loslegen wollen. Kurzerhand fahren wir also Material kaufen und beginnen beim Holzhändler im nächsten Ort. Die benötigten Materialien sind schnell bestellt und sollen mit einem „Trailer“ zu Kann’s Grundstück geliefert werden. Beim Auswählen und Aufladen der Holzstämme zeigt sich, dass der Trailer nicht ganz das Format hat, das wir erwartet hatten. Es ist ein von einem Motorrad gezogener einachsiger Holz-Anhänger. Wegen der sandigen Zufahrt zu Kann’s Grundstück kann dieser nicht zu schwer beladen werden und muss dreimal fahren.





So beginnen wir unseren ersten Arbeitsvormittag hauptsächlich mit Warten, unterbrochen von gelegentlichem erneuten Auswählen und Aufladen weiterer Holzbalken und -latten. Naja, man könnte auch sagen, wir nehmen uns die Zeit uns konzeptionelle Gedanken zu machen, bevor wir unser Vorhaben nachmittags in die Tat umsetzen.

Nachdem das letzte Holz verladen und fachmännisch auf dem Hänger gesichert ist – ganz nach kambodschanischer Art, versteht sich – fahren wir weiter zum Baustoffhändler. Hier bekommen wir alles Weitere, wie zum Beispiel Metallstangen, Zement, Sand, Kies und Kunststoffplane. Die Lieferung ans Grundstück ist umsonst, schließlich haben wir dem Besitzer einen guten Umsatz verschafft.




Nach einer schnellen Mahlzeit bestehend aus Reis, Eierkuchen und Wassermelone beginnen wir nachmittags mit unserem Projekt. Wir vermessen die Fläche, graben unsere ersten Löcher in die trockene kambodschanische Erde und setzen schließlich die erste Reihe Pfähle. Das Wetter ist uns gut gesonnen, denn wir arbeiten unter bewölkten Himmel – und schwitzen dennoch wie verrückt! In der Dämmerung erledigen wir noch schnell die letzten Handgriffe. Ein Gruppenfoto mit Kann, seiner Frau und den Kindern dokumentiert zuletzt unseren ersten gemeinsamen Arbeitstag, bevor wir hungrig, ein wenig müde und sehr zufrieden zurück nach Siem Reap fahren. Das Feierabend-Bier sei uns vergönnt!






Jessica Mohr